Belastungsmanagement und Stressbewältigung von oesterreichischen Politikerinnen und Politikern

Andreas Olbrich, Gerald Prudil, Martina Zandonella, Marion Reiter, Markus Leitenbauer

Institut für Psychologie der Universität Wien [Political Psychology]


Inhalt:

  1. Methoden
    1. Fragebogen
  2. Design
  3. Ergebnisse
  4. Zusammenfassung

IV. Zusammenfassung der Ergebnisse:


Abbildungen

Texte

Bibliografie


Mit 58.3% der Abgeordneten welche in den letzten 12 Monaten nie gefehlt haben, erwies sich die ÖVP als am gesündesten, gefolgt von der FPÖ mit 50% und den Grünen mit 40% nie Fehlenden. An letzter Stelle und somit am häufigsten krank waren die Abgeordneten der SPÖ, welche mit 44.4% auch an der Spitze der 2-3mal fehlenden steht.

In bezug auf die Geschlechter zeigten sich keine großen Unterschiede in der Krankheitshäufigkeit zwischen Männern und Frauen.

Festgestellt wurde außerdem, dass alle Abgeordneten in Nationalratssitzungen am wenigsten gefehlt haben, gefolgt von Ausschuss- und Parteisitzungen. Die Erklärung dafür liegt zum einen in der Anwesenheitspflicht bei Nationalrats- und Ausschusssitzungen und darin, dass es weniger Nationalratssitzungen gibt. Es stellt sich die Frage, ob es neben dieser aus formalen Gründen bestehenden Prioritätenfolge auch eine inhaltliche gibt, ob also Abgeordnete ihre Anwesenheit in Nationalratssitzungen als am wichtigsten bewerten.
Bezogen auf alle drei Sitzungsarten fehlten Abgeordnete der FPÖ am wenigsten, Abgeordnete der SPÖ verzeichnen das häufigste Fernbleiben.

Der Hauptgrund für das Fernbleiben der Abgeordneten liegt mit 41.2% in Terminkollisionen, gefolgt von Krankheit bzw. Krankheit und Termin (je 29.4%). Die Parteien getrennt betrachtet, liegt bei der ÖVP Terminkollision mit 60% an erster Stelle, bei der SPÖ liegen Krankheit und Terminkollision mit je 37.5% an der Spitze, bei der FPÖ wurden Krankheit bzw. Krankheit und Termin mit je 50% und bei den Grünen wurden Terminkollision bzw. Krankheit und Termin mit je 50% genannt. Dies bestätigt die schon oben getroffenen Annahme, dass ÖVP-Abgeordnete am gesündesten sind. Ihr häufigster Fernbleibgrund sind Terminkollisionen, bei allen anderen Parteien liegen Krankheit und Termine gemeinsam an erster Stelle.


quote start Doppelt so viele Frauen (25%) wie Männer (12.5%) greifen regelmäßig zu Medikamenten. quote end

In bezug auf die Art der Krankheiten welche in den letzten 12 Monaten aufgetreten sind, wird parteiübergreifend die Grippe vor der Verkühlung, Magen-, Darmerkrankungen und Muskel-, Gelenksbeschwerden genannt.
Abgeordnete der ÖVP und der Grünen erkrankten am häufigsten an Verkühlung, Abgeordnete der SPÖ und FPÖ an häufigsten an Grippe. Muskel- und Gelenkbeschwerden traten ausschließlich bei der ÖVP, Magen- und Darmerkrankungen ausschließlich bei den Grünen auf.
Weiters hat sich gezeigt, dass mit 60% die Mehrheit der Männer an Grippe, mit 42.9% die Mehrzahl der Frauen an Verkühlung erkrankt ist. Außerdem treten Muskel- und Gelenkbeschwerden ausschließlich bei Männern, Magen- und Darmerkrankungen ausschließlich bei Frauen auf.

Betrachtet man die Art der Krankheit im Vergleich zum Lebensalter der Erkrankten, hat sich gezeigt, dass von leichteren Erkrankungen (Verkühlung) eher jüngere Abgeordnete betroffen sind (bis zum 46. Lebensjahr), während schwerere Erkrankungen (Grippe) hauptsächlich ältere Abgeordnete betrifft (ab 47). Magen- und Darmerkrankungen traten in der Mitte der Alterspopulation (zwischen 44. und 47.) auf und Muskel- und Gelenksbeschwerden betrafen ausschließlich die ältesten Abgeordneten (ab 58).

Doppelt so viele Frauen als Männer nehmen regelmäßig Medikamente (25% zu 12.5%). Ebenso haben signifikant mehr Frauen (54.5%) als Männer (6.2%) regelmäßige Schmerzen. Der Zusammenhang zwischen regelmäßigen Schmerzen und einer regelmäßigen Medikamenteneinnahme ist mit einer r von .4 nicht hoch ausgeprägt. Obwohl Frauen also doppelt so häufig regelmäßig Medikamente nehmen als Männer und signifikant öfter regelmäßige Schmerzen haben als diese, unterscheiden sich die Geschlechter im Hinblick auf die Häufigkeit des Fernbleibens nicht.

50% dieser regelmäßigen Schmerzen beziehen sich auf den Bereich der Wirbelsäule und des Rückens, 30% betreffen den Kopf und je 10% beziehen sich auf den Magen und die Bandscheiben. Ein Zusammenhang mit der Arbeitssituation von Abgeordneten, welche v.a. durch langes sitzen geprägt ist, scheint gegeben.

Die überwiegende Mehrheit (85.7%) der Abgeordneten geht regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen, der größte Prozentsatz davon (83.3%) tut dies einmal im Jahr. Mit 91.7% gehen mehr Frauen als Männer (81.3%) zu diesen Untersuchungen.


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